Interview

KASMODIAH

Deine Lakaien



Alexander's Absage an die Macht

(Interview im Black Arts 4/99)



Was könnte dieses Interview mit dem aktuellen DEINE LAKAIEN Output "Kasmodiah" gemeinsam haben? Kann es überhaupt Gemeinsamkeiten haben?

Es kann! Die Bandbreite aus scheinbaren Gegensätzen wie Dunkelheit und strahlendem Glanz oder spezifiziert: Traurigkeit und Lebensfreude, über die das mittlerweile fünften Studioalbum des Duos ALEXANDER VELJANOV und ERNST HORN u.a. verfügt, zieht sich ohne Zweifel auch durch das folgende Gespräch, welches ich kürzlich mit einem sympathischen, auskunftsfreudigen ALEXANDER VELJANOV, kurz nach dem Einzug "Kasmodiahs" auf den 4. Platz in die Media- Control- Charts, führte.

Eine Themenvielfalt der, fürwahr, unkonventionellen Art. Über Talkshows, Kriege, Literatur und..., nun, ein bißchen Spannung sollte Euch noch erhalten bleiben!



Black Arts: Du äußerst Dich ja höchst negativ über eine, offenbar weibliche, Person oder auch Personengruppe in dem Song "My Shadows", welche ein sündiges Parfüm trägt, für dessen Gang Du Dich beschämt fühlst und die im Ganzen einfach zu aufdringlich ist, bzw. sind. Ich nehme an, Du zollst damit Deinen weiblichen Fans endlich mal Tribut?

Alexander: (Lacht) Das ist eine sehr gewagte Interpretation! Tatsächlich geht es nicht um eine Frau, sondern das Lied ist an die Person in sich selbst gerichtet. Ich denke, jeder kann sich vorstellen, daß es Tage gibt, wo man in den Spiegel schaut und jemanden sieht, der man eigentlich gar nicht sein will und das ist das Grundthema des Songs.

Black Arts: Aha...

Alexander: Jaha. (Lacht) ...Eine gespaltene Persönlichkeit sozusagen. Die Interpretation aber ist durchaus plausibel, daß ich jemand anderen damit meine. Es geht auch nicht um mich. Wie gesagt, ich betone auch immer wieder, daß ich nicht nur über mich und meine Gedanken singe.

Black Arts: "Return" läßt auf jemanden schließen, der ein Ziel hatte, enttäuscht worden ist oder zumindest keine richtige Chance mehr erkannte und schließlich resignieren mußte, um Kraft für einen Neuanfang zu finden. Habe ich das richtig gedeutet und wenn ja, handelt es sich dabei um den Schreiber selbst, also um Dich?

Alexander: Diesen Text hat Ernst geschrieben, muß ich dazu sagen. Aber es geht natürlich um einen Neubeginn, ja, Resümee, Schlußstrich, quasi um ein neues Kapitel im Leben eines Menschen. Das Tolle an dem Lied ist, daß da auch sehr viel Optimismus mitklingt und diese Stimmung auch sehr viel mit unserer Bandgeschichte zu tun hat.

Black Arts: Dann war das wahrscheinlich auch der Grund, weshalb Ihr grade dieses für den Clip ausgewählt habt?

Alexander: Ja. Das ist der Punkt, der das Album beginnen läßt. Es ist auch ein neues Kapitel in unserer Bandgeschichte und das man 10 Jahre zusammenarbeitet ist ja nicht die Regel. Wir haben natürlich schon überlegt, ob und wie es weitergeht mit uns. 10 Jahre sind eben eine lange Zeit und man darf den Punkt nicht verpassen, an dem man aufhören sollte. Wir sind jetzt alle jedoch sehr froh, das Album gemacht zu haben, weil es ein sehr schönes und gutes Album geworden ist, somit wird es auch weitergehen.

Black Arts: Bekanntlich klagst Du Talkshows an. Ist es lediglich das reißerische Konzept, welches Dir mißfällt oder welche anderen Gründe gibt es dafür?

Alexander: Hmm, ... also ich klage nicht grundsätzlich Talkshows an, sondern ich meine speziell diese, in Deutschland wie eine Pest verbreiteten, Nachmittagstalkshows oder wie man diese Sensationssendungen nennen mag, in denen jeder die unsäglichsten Dinge von sich geben darf. Das finde ich doch wirklich Umweltverschmutzung und sollte man meiner Meinung nach auch zensieren. Da hätte ich überhaupt kein Problem mit. In welches Format da Dinge gepackt werden...! Bei den Öffentlich Rechtlichen zwar nicht in dem Maße, wie bei den Privaten, aber doch auch. Na ja, gut, das ist eben das Problem; wir haben Medienfreiheit und das ist ja auch wunderbar, nur sind das eben Auswüchse, die mich persönlich stören.

Black Arts: Sicherlich kannst Du mir dann auch Deine Favoriten unter den Shows nennen?

Alexander: Ach! Ich meine, ich schaue die ja nicht regelmäßig, aber es gibt so Tage, wo man nachmittags durch's Programm zappt und dann wundere ich mich immer, entweder man bleibt bei einer Werbesendung hängen oder es kommen nur so komische Schreishows, wo sich die Leute gegenseitig vor der Kamera beschimpfen oder erwähnen, mit wem, wann sie sich irgendwie beschäftigen ... Na ja, wir brauchen das ja jetzt nicht so genau definieren, wie manche das sagen. Die meinen eben sie sind jetzt einmal im Fernsehen und können nun alles erzählen. Ich find's ärgerlich. Ist eigentlich egal, man muß es sich ja nicht anschauen.

Black Arts: Richtig. Laß uns zu einem anderen Thema kommen. Ich habe mal gelesen, Du magst Autogrammstunden überhaupt nicht. Würdest Du Dich selbst eher als schüchtern bezeichnen?

Alexander: Hm. - Hast du die ganzen Artikel gelesen?!?

Black Arts: Natürlich!

Alexander: Ha, ha, ha! ... Autogrammstunden nicht zu mögen, das mag vielleicht arrogant wirken, doch ich bin einfach nicht der Typ, der sich da hinsetzt, um Autogramme zu geben. Wir sind Lakaien und keine Könige, um es jetzt mal ganz platt zu sagen. Natürlich sind wir für manche Leute so was ähnliches wie Stars, habe ich mittlerweile festgestellt, aber es ist nicht angenehm. Wenn ich da sitze, komme ich mir vor, als würde ich von 1000 Augen ausgesaugt. Sagen wir mal bei Karstadt, da stehen die Leute wirklich stundenlang an und da hat man schon mal das Gefühl, daß hier irgendwas nicht stimmt und das mag ich eben nicht. Da bin ich auch schüchtern, ohne Sonnenbrille kann ich das manchmal kaum ertragen, weil ich denke: irgendwas ist zuviel... (Lacht verlegen) Also ich bin dann doch lieber auf der Bühne und präsentiere das, was ich kann und nicht einfach nur mich als Person, die ihren Namen schreibt.

Black Arts: Gab es in Deiner Kindheit bestimmte Ideale, welche Du verehrtest?

Alexander: Kindheitsideale? Hatte ich nicht ...Nein. Es gab keine Person, wo ich gesagt hätte, das ist mein Idol.

Black Arts: In Eurem Presseinfo sind die beiden Gegensätze Askese und Hedonismus genannt. Kann man "Into my arms" vielleicht sogar als Askese ansehen?

Alexander: Ähm, ja, (Lacht) kann mal wohl. "Into my arms" ist doch, ja, vielleicht... Presseinfos sind Presseinfos und da steht natürlich auch viel, was man selber gar nicht so sieht, aber ich würde schon sagen, daß das Album diese Gegensätze aufweisen kann.

Black Arts: Was verbindest Du persönlich mit den genannten Begriffen?

Alexander: Askese ist dieses Beschränken und dieses Reduzieren und das sich konzentrieren auf Wichtiges und das Verzichten auf Überflüssiges. Wir versuchen unseren Songs erst mal eine gewisse Qualität zu finden, um diese dann auszuschmücken. Wenn die Grundzeichnung jedoch nicht stimmt, dann werfen wir den Song lieber weg, als das wir ihn aufblasen mit Synthie Sounds und Sequenzern, wie das vielleicht andere tun. Ich will niemandem was unterstellen, aber oft habe ich das Gefühl, daß Musik, grade in den Bereichen der Szene, in denen was bewegt wird, heutzutage einfach nur eine Hülle ist, eine Verpackung und das nicht kritisch genug beurteilt wird.

Ich finde, daß der Song stimmen muß, der Inhalt, der Aufbau. Es muß alles zusammen gehen, es muß auch als Klavierversion dastehen können. Wenn ich schon von einer Askese in unserer Arbeitsweise spreche: ein sich konzentrieren und reduzieren auf ein totales Minimum einfachster Mittel; Klavier und Gesang am Anfang und alles andere stellt dann das Ausschmücken dar, was den Song allerdings nicht unbedingt besser machen sollte.

Black Arts: Wie denkst Du über den Hedonismus, dem sogenannten Glückszustand der Seele?

Alexander: Lust gehört zum Leben und auch zum Musik machen. Wenn alles nur vom Kopf her kommt, dann funktioniert das auch nicht. Ich denke schon, daß in Musik auch sehr viel Gefühl transportiert wird und viel bedeutet meiner Meinung nach auch Lebenslust. Das bedeutet nicht, daß man immer nur glücklich sein muß, sondern daß in Traurigkeit auch sehr viel Lebenslust stecken kann und daraus auch wieder resultiert. Man kann nicht immer nur glücklich sein, es muß auch Tage geben, in denen man sehr, sehr nachdenklich sein kann und zurückgezogen lebt. Irgendwann kommt der Punkt, wo man die Kraft hat und sich verändert.

Black Arts: Insofern würde sich der Hedonismus wohl ganz gut auf "Kiss the future" übertragen lassen?

Alexander: Ja, "Kiss the future" ist eigentlich mehr ein Erinnerungsstück aus der Zeit, in der wir angefangen haben. Wo man noch jung und voller Träume war. Anfang der 80er war eben diese Zeit, in der die Orientierung der Musik in die Zukunft sehr stark ausgeprägt war. Der Song besteht eigentlich auch fast nur aus Zitaten, Slogans, Titeln, Songs und Vamps aus der Zeit.

Black Arts: Welche Literaturquellen bevorzugst Du?

Alexander: Grundsätzlich habe ich viel zu wenig Zeit, um soviel zu lesen, wie ich eigentlich möchte. Früher war das einfacher. Bevorzugen tue ich jedoch nichts Bestimmtes. Ich bin zum Beispiel kein Science Fiction Leser, da habe ich überhaupt kein Faible für. Ich lese lieber Romane, die im 18./ 19. Jahrhundert spielen, hauptsächlich französische Literatur, russische Literatur von Leuten wie Slovere, Dekeau... Das sind so Sachen, die ich sehr, sehr gerne lese.

Black Arts: Worüber schreiben diese Autoren?

Alexander: Das sind eigentlich nur Gesellschaftsromane, die versuchen, die Stimmung der jeweiligen Zeit mit Einzelschicksalen zu verbinden. Große Lebensgeschichten. Mich interessiert besonders wie das Leben in den Kulturkreisen dieser Epochen war, da man sich dort ja auch bewegt und es so wahrscheinlich auch eher nachvollziehen kann, wenn man Romane liest, die in Sankt Petersburg oder Paris spielen, als im 19. Jahrhundert in China oder Japan. Da habe ich persönlich keinen Bezug zu.

Black Arts: Kommen wir noch mal auf Eurer aktuelles Album zu sprechen. "Ich bin wieder hier und bringe die Schwachen zum Kämpfen..." - Eine grob übersetzte Textpassage von "Fight". Siehst Du Dich als Messias?

Alexander: (Lacht) - Ja, in dem Fall schon. Das kommt von "Mirror Men", eines von den wenigen DEINE LAKAIEN Liedern, die eine politisch - gesellschaftskritische Tendenz haben. Mir ist, während unserer derzeitigen Proben, klar geworden, daß dieser Song aufgrund dessen, was momentan in Europa passiert, für mich jetzt eine ganz merkwürdige Brisanz hat. Dieser Titel und was ich dafür empfinde, hat eine seltsame Wendung bekommen. Mir ging's eigentlich darum, mit dem Lied auszudrücken, daß man sich nicht aufgeben darf, einfach weiter kämpfen muß, seine Rechte fordern sollte und sich nicht nur benutzen lassen darf. Das ist jetzt natürlich nicht jemand, der Messias ist, sondern das ist schon eher eine Kraft, die da singt, die aber nicht unbedingt gut ist. Sie läßt die Leute im Grunde im Regen stehen, singt ja auch "Ich werde Euch kein Licht lassen, ich sage Euch nur: Macht was". Also ich bin da eher der hämische Beobachter, der kleine Teufel, der sich freut, wenn sich die Leute gegenseitig die Köpfe einschlagen. Es ist ein Lied mit einem Text voller Widersprüche. Musikalisch ist, glaube ich, auch ganz gut zu hören, daß dieses Lied irgendwie zerrissen ist. (Wirkt nachdenklich und ein wenig melancholisch).

Black Arts: Mit anderen Worten, der Hörer sollte aus dieser Dualität schließen, auch mal über den Tellerrand hinaus zu schauen?

Alexander: Ja, ich finde, daß ist ein ganz wichtiger Aspekt bei uns. Viele Songs sollen den Hörer erstmal verstören, um ihn zum Nachdenken zu bringen und ich denke, daß grade "Fight" bei vielen erst mal ein Fragezeichen hervorruft.

Black Arts: Ich habe mal gehört, Du hast russische Vorfahren?

Alexander: Nein, mazedonische.

Black Arts: Sicher, aber kann es nicht sein...

Alexander: Na gut, ich meine, die Familie ist dann doch sehr weit verbreitet und es gibt natürlich auch Stränge, die nach Rußland gehen, aber das ist ja bei slawischen Völkern normal. Allein schon mein Großvater hatte in verschiedenen jetzigen Staaten gelebt, die Grenzen auf dem Balkan werden ja ständig neu gezogen und sind zu Zeit ja auf eine ganz schreckliche Weise brisant.

Black Arts: Da Du das Thema schon mal ansprichst, wie denkst Du persönlich über den Krieg?

Alexander: Ich bin sehr, sehr, tja, verzweifelt im Grunde. Sicherlich, die Berichterstattung ist in den Lagern von den Interessen der jeweiligen Parteien geprägt. Bei uns ist das eben die NATO-Politik, die in den Medien hauptsächlich befürwortet wird. Es gibt keine Gerechtigkeit, es gibt natürlich diesen wahnsinnigen Milosevic, aber meiner Meinung nach gibt es, von der amerikanischen Seite her, eine bewährte Art und Weise, mit so einem Menschen umzugehen. Das hat sich auch im Golfkrieg bewährt. Aber man kann so etwas nicht einfach übertragen, das gäbe wirklich eine mittlere Katastrophe, denn das Ganze spielt sich in einem Gebiet ab, in dem sich, außer den Einheimischen, keiner auskennt. Und Bodenkrieg ist völlig undenkbar. Die armen Jungs aus Amerika und Europa waren völlig überfordert und würden wie die Schafe in den Schluchten umherirren, unfähig gegen die Partisanen und Soldaten zu kämpfen.

Was da an Hilfe und Politik passiert, ist lächerlich. Man muß das Ganze endlich abbrechen und verhandeln. Egal, ob Milosevic ein Kriegsverbrecher ist oder nicht, es gibt nur ihn und er ist nur so stark in seinem Land, weil sich das serbische Volk von der Welt verraten fühlt. Es ist natürlich auch ein Unding, einfach zu sagen: wir führen einen sauberen Krieg und bombardieren die militärischen Einrichtungen eines Staates. Das ist völlig absurd! Da leben Millionen von Menschen, natürlich gibt's da Tote! Das ist jetzt nicht mit einem Computer Spiel zu vergleichen; das ist eine Entwicklung, die wirklich absehbar war. Es ist meiner Meinung nach das zynischste und unmenschlichste überhaupt, davon auszugehen, daß denen nichts passiert und dann landet doch mal eine Bombe auf einem Zug, was jetzt passiert ist. Oder auf einem Krankenhaus. Und man weiß überhaupt nicht, was stimmt! Sind das jetzt manipulierte Bilder oder schießen die Serben jetzt auf die eigenen Leute, um die Stimmung gegen die NATO noch hoch zu kochen!?! Es ist alles nur noch Fiktion. Das Fernsehen bietet nur Lüge und Halbwahrheit, niemand weiß, was wirklich passiert. Ob die paar Journalisten, die überhaupt noch in dem Gebiet tätig sind, jemals dazu fähig sein werden, das Bild ein Stückchen näher an die Wahrheit heran zu bringen?

Black Arts: Wie man erfahren konnte, ist bereits ein Reporter verschollen...

Alexander: Einer, ja. Von SAT 1. Wenn die dort erwischt werden, werden sie natürlich gecatcht. Aber bei SAT 1 ist das ja sowieso reine Hofpolitik, alles das, was die NATO vorgibt, wird da nachgefaselt. Wenn ich schon höre, daß Mazedonien beispielsweise so unverschämt ist und die armen Menschen da nicht rein läßt. Das muß man sich mal vorstellen: wie kann denn ein Staat mit über 3 Millionen Einwohnern, wo sowieso schon 30% Ausländer sind, einen Bürgerkrieg verhindern, wenn da hunderttausende von Menschen auf ihn einströmen?! Ich meine, das sind natürlich Menschen, das sind Einzelschicksale, aber wenn man sich Deutschland vorstellt, 80 Millionen Einwohner, wenn wir hier schon 30% Ausländer hätten, wäre hier schon längst ein Bürgerkrieg. Und wenn jetzt noch Millionen von Ausländern nach Deutschland kommen würden, dann würde keiner von diesen Idioten auch nur mit der Wimper zucken, um zu sagen: Ja, wir müssen dicht machen! Aber in so einem kleinen Land, wie Mazedonien, das vorher noch gar keine Hilfe bekommen hat... - Die NATO hat sich überhaupt gar nicht überlegt, was mit den Nachbarländern passiert, wenn hunderttausende von Flüchtlingen da einströmen wollen. In Montenegro, in Albanien, in Bosnien, in Mazedonien. Da wurde überhaupt gar nichts vorbereitet! Ich verstehe da auch den mazedonischen Präsidenten, wenn der sagt: die NATO hat das absolut stümperhaft gemacht, hat einfach gebombt und jetzt schauen sie, wie die Länder drum herum kollabieren! - Und das ist ja die Politik Milosevic's, das ist seine letzte Taktik, er will die Karten auf dem Balkan neu mischen. Er will, daß diese ganzen Staaten, die ja relativ gut aus dem Krieg herausgekommen sind, wieder brennen, damit er neu definieren kann und Gebiete dazu gewinnen kann, um Rußland dazu zu bringen, auszuflippen, sage ich mal ganz salopp. Gott sei dank, funktioniert das nicht, weil die Russen eben doch in einer Lage sind, in der sie auf die Milliardenkredite des Westens angewiesen sind. Ansonsten hätten wir einen Weltkrieg. De facto.

Black Arts: Glaubst Du, es läßt sich in absehbarer Zeit eine Einigung erzielen?

Alexander: Das weiß ich nicht. Im schlechtesten Fall greift es auf Griechenland und die Türkei über. Wenn der griechisch - türkische Konflikt da doch noch mal hoch kocht, dann kann das wirklich bedeuten... Dann wird das ganz schlimm. Man kann wirklich nur hoffen, daß Milosevic so geschwächt ist, daß er im Lande selbst, wenn Wahlen sind, entmachtet wird. Wenn in Jugoslawien ein Push stattfinden wird, Milosevic weg, dann kann man hoffen, daß alles friedlich zu Ende geht. Ansonsten, vielleicht wird's ja ein neues Viatnam, daß es sich über Jahre hinweg zieht. Das wird dann ein Katastrophe ohne Ende...

Interview & Text: Manuela Liefländer



(Black Arts Journal, Graf-Galen-Str. 23, 59755 Arnsberg)
Chrom Records bedankt sich bei BLACK ARTS für die Zurverfügungstellung dieses Interviews.