Video, Making of
11.o9.2oo1, Videodreh zu Generators, Deine Lakaien

von Bine Endruteit (Fly)

Das blaue Gebäude, das ich betrete sieht von außen eher aus wie ein normales Fotogeschäft, jedoch nicht wie der Drehort zum Video der neuen Deine Lakaien-Single Generators. Jedoch erweist sich dieser Eindruck schnell als falsch, nachdem mich jemand vom Empfang in das Studio geführt hat.

Das erste, was mir ins Auge sticht, ist grelles Weiß. Die komplette Rückwand des Raumes und ein Großteil des Bodens sind weiß angestrichen und für dreckige Straßenschuhe absolutes Tabu.

Als ich mich im Studio umsehe, entdecke ich Alexander Veljanov. Gekleidet ist er – passend zur Kulisse – in einen völlig weißen, schon futuristisch anmutenden Anzug. Freundlich begrüßt er mich. Und auch Ernst Horn kann ich durch das Fenster in der Garderobe schon sehen. Nachdem ich mir einen ersten Eindruck verschafft habe, weist mich Chrom-Chef Carl Erling, der ebenfalls anwesend ist, auch schon in die Regeln eines Videodrehs ein: Nicht vor die Kamera laufen, Ruhe, keinen Blitz beim Fotografieren. Bei Aufnahmen keine schnellen Bewegungen, damit es keine unnötigen Schatten gibt und die Akteure vor der Kamera nicht irritiert werden.

Ganz vorsichtig taste ich mich an Scheinwerfern, Kameras und anderen Aufbauten vorbei ins Backstage um erst mal meine Kamera startbereit zu machen. Hier ist auch das Catering aufgebaut. Hmmmm, es gibt superleckere Schnittchen, zum Mittag dann ein wahres Menü und auch danach wird mit Melonen, Knabbereien, Joghurt und weiteren "Schmankerln" für das leibliche Wohl der Crew gesorgt.

Dann geht's los: immer mit einem Auge beim Geschehen im Raum, um evtl. den Kameraleuten ausweichen zu können, beginne ich meine ersten Bilder zu machen und versuche jedes Detail des Tages mitzubekommen. Die riesigen Scheinwerfer sind so stark aufgeheizt, das hinter ihnen das Szenario aufgrund der heißen Luft zu flimmern beginnt. Um Alexander herum befindet sich eine Art Tunnel aus schwarzem Stoff, der für die richtige Beleuchtung bei dieser Einstellung unerläßlich ist. In seinem weißen Anzug, der extra für dieses Video angefertigt wurde, spielt er genau nach Ablaufplan einige Szenen durch. Mit Hilfe von zwei Monitoren werden alle Bilder ständig kontrolliert.
"Kamera! Uns los!" Alexander schaut in die Kamera, während diese eine Naheinstellung filmt, dreht sich leicht, verschränkt die Arme und schaut zur Seite. Ein Zoom nach hinten. Auf dem kleinen Monitor kann man teilweise rhythmisch eingestellte Unschärfen erkennen. Nun steht er mit dem Rücken zur Kamera und ist fast auf dem ganzen Bildschirm zu sehen.
"Cut!" "Super, nächste."
Es folgt eine weitere Bilderserie und Alexander ist vorerst erlöst.

Ernst ist an der Reihe und läßt sich nun seinerseits in den verschiedensten Posen filmen. Natürlich nicht ohne noch mal ordentlich abgebürstet zu werden. Man kann ihn ja unmöglich mit Fussel auf einem weißen Anzug rumlaufen lassen! ;o) Schnell noch mal den Glanz weggepudert und die Haare gerichtet und Ernst beginnt mit seiner ersten Pose. Arme und Beine X-förmig auseinandergestreckt, dann wieder zusammengekrümmt, hiernach die Arme über dem Kopf verschränkt oder ausgebreitet, während sein Kopf immer tiefer sinkt. Naja, ich muß zugeben, für einen kurzen Augenblick kam mir ein Bild aus irgendeiner "Frühsportsendung" in den Sinn...

Aber nicht nur Alexander und Ernst werden für diesen Dreh gefilmt, sondern auch zwei Statisten. Eigentlich muß fast von drei Statisten gesprochen werden, wenn man den niedlichen Hasen auch mitzählt, der für eine kurze Einstellung ins Studio gebracht wird. Er sitzt auf einer Drehscheibe und blickt neugierig um sich und in die Kamera: Perfekt! Der kleine kann zurück in seine Box.

Die junge Frau, die für den Dreh in Latexstreifen um Hüfte und Brust gehüllt wurde, umarmt einen jungen Mann. Aber hoppla, was ist denn das? Sie hat ja plötzlich drei Arme... Eine weitere Statistin hat sich hinter die beiden gemogelt, ihre Hand gleitet zusammen mit denen der anderen Frau sanft über dem Rücken des Mannes und aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet sieht es aus, als hätte die junge Frau tatsächlich drei Arme.

Inzwischen ist ein Reporter eingetroffen, der diesen Dreh in Bild und Wort für den Sonic Seducer dokumentieren wird.
Und er ist mindestens genauso gespannt auf das Ergebnis dieses Video-Tages, wie ich :o)

Besonders fasziniert hat mich eine Szene, in der Alexander auf einmal Schwimmhäute an seiner rechten Hand präsentiert. Mit Interesse verfolge ich, wie diese "Häute" aufgeklebt und im perfektem Übergang zur realen Haut manikürt werden und es gelingt mir nicht, mich loszureißen. Was muß man als Künstler nicht alles über sich ergehen lassen... :o) Mit viel Geduld läßt Alexander die Maskenbildnerin ihr Werk vollführen , plaudert mit ihr und nippt ab und an einem Glas Saft. Überaus glücklich erfährt er, daß nur eine seiner Hände diesen Wandel durchmachen muß, nicht beide.
Dabei wäre das bei dem Regenwetter, das derweil draußen herrscht doch gar nicht so schlecht, oder?

Über einige Kabel hinweg schaue ich doch zwischendurch mal zu, was das Kamerateam mittlerweile für Einstellungen filmt. Eine riesige schwarze Zunge aus Gummi, die richtig glitschig aussieht, hängt von einer weißen Holzplatte herunter und wird mit Hilfe einer eigens für diesen Zweck gebauten Metallvorrichtung immer wieder auf- und entrollt. Von unten gefilmt sieht das auf dem Monitor sehr echt aus. Die passende Szene zu dieser Zunge hat Alexander bereits einige Stunden vorher abgedreht, wobei seine Aufgabe lediglich darin bestand, den Mund weit zu öffnen. Im Video wird es den Anschein haben, als würde Veljanov seine schwarze Zunge blitzschnell durch den gesamten Raum schnellen lassen.

Inzwischen sind seine Schwimmhäute fertig und ein erster Testdurchlauf wird gestartet. Im Filmlicht sieht diese Maske doch noch anders aus, als geplant. Das ist aber mit Pinsel und Make-Up schnell in Ordnung gebracht und auch diese Szene kann gedreht werden.
Alexander bewegt seine Hand sehr elegant und läßt dabei nur kurz die Schwimmhäute aufblitzen; ein echter Überraschungseffekt.

Zum Abschluß gilt es für Ernst und Alexander noch ein Interview für das "Making-Off" aufzuzeichnen. Vor einem riesigen Scheinwerfer stehend beantworten sie geduldig alle Fragen.

Jörg Geldermann, der das gesamte Artwork und die Künstlerfotografien für die CD macht, schießt noch einige letzte Fotos von Alexanders mit Schwimmhäuten versehener Hand und einer der wohl interessantesten Tage in der Entstehungsphase der neuen Lakaien-CD und allem, was dazu gehört, neigt sich seinem Ende zu. Natürlich nicht ohne einen abschließenden Applaus von allen für alle.
Es ist alles glatt gelaufen, jede Szene ist "im Kasten".

... Zeit für ein großes Gruppenfoto mit allen Beteiligten, das Pizzataxi und zwei Kästen Bier.
Das hat sich die Crew wahrlich verdient!